Positionspapier Blutspende

Richtlinie ändern – Hilfe ermöglichen

Blutspenden schwuler, bisexueller und trans* Männer zulassen

 

 

UM WAS GEHT ES?

Bis heute werden schwule, bisexuelle und trans* Männer faktisch nicht zur Blutspende zugelassen. Wer unter welchen Bedingungen Blut spenden darf, regelt die „Richtlinie Hämotherapie“ der Bundesärztekammer. Diese besagt in ihren Anforderungen an Spender_innen, dass „Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV, birgt“ für eine Dauer von 12 Monaten von der Möglichkeit Blut zu spenden ausgeschlossen werden.
Hierunter fallen „heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern, Personen, die Sexualverkehr gegen Geld oder andere Leistungen (z. B. Drogen) anbieten (männliche und weibliche Sexarbeiter), Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) und transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“.

Wird heterosexuellen Personen eingeräumt, nur bei einem häufigem Wechsel der Sexualpartner_innen die Blutspende für ein Jahr aussetzen zu müssen, gilt die Rückstellfrist für schwule und bisexuelle Männer sowie trans* Personen, die rechtlich (noch) zu den Männer zählen und Sex mit Männern haben, ohne Wenn und Aber.

 

 

WARUM IST UNS DAS EIN ANLIEGEN?

Als Stiftung für mehr LGBT*IQ-Chancengleichheit am Arbeitsplatz sind wir Denkfabrik und Ratgeber für eine Vielzahl an Unternehmen in Bezug auf LGBT*IQ-Diversity. Diese sehen es als ihre Verantwortung ihren Mitarbeiter_innen ein offenes und facettenreiches Arbeitsumfeld zu bieten, dass ihre Individualität und Vielfalt als wertvoll anerkennt und fördert. Sie setzen sich bewusst gegen Vorurteile und Diskriminierung ein – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft, Religion & Weltanschauung, physischer oder psychischer Möglichkeiten, Alter, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität.

Dieselben Unternehmen bieten im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung regelmäßig Blutspenden in den eigenen Räumlichkeiten an und laden auch ihre Mitarbeiter_innen zur Blutspende ein. Durch die Richtlinie Hämotherapie kommt es dabei jedoch in regelmäßigen Abständen zur Stigmatisierung und Ausgrenzung von schwulen, bisexuellen und trans* Mitarbeitern. Dieser Umstand bringt Unternehmen in den Konflikt zwischen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und dem Schutz ihrer Mitarbeiter_innen vor Diskriminierung abwägen zu müssen. Sollen die eigenen Mitarbeiter_innen dieser Diskriminierung offen ausgesetzt werden? Sollen Blutspenden in Zukunft in den eigenen Räumlichkeiten nicht mehr angeboten werden?

Im Rahmen dieses Konflikts haben sich Unternehmen der Deutschen Wirtschaft mit PROUT ATWORK zusammengeschlossen und fordern mit klarer Haltung von Entscheidungsträger_innen ein Ende der Diskriminierung.

 

 

WIE GEHT’S BESSER?

Die Gesundheit und Unversehrtheit der Patient_innen, die auf Blutspenden angewiesen sind, sollte stets an vorderster Stelle stehen. Das gewünschte Ziel, die Reinheit von Blutkonserven durch eine gezielte Auswahl der Spender_innen zu erzielen scheint dabei nachvollziehbar und effizient. Bei genauerem Hinschauen fällt jedoch auf, dass die Auswahl der Spender_innen anhand ihrer Sexualität derzeit mehr auf Vorurteilen als auf Tatsachen ruht.
Es gibt bessere Wege die Reinheit von Blutkonserven zu sichern, als den Versuch über die sexuelle Orientierung eines Mannes einen Rückschluss auf sein Risikobewusstsein zu ziehen.

Durch gezielte Befragungen von Spender_innen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – ließe sich ein klareres Bild vom individuellen Sexualverhalten zeichnen. Fragen nach einer monogamen Partnerschaft, dem letzten Wechsel der_des Sexualpartner_in und dem Praktizieren von Safer Sex würden dabei die Grundlage schaffen, die möglichen Spender_innen anhand von Tatsachen anstelle von Annahmen zu selektieren.

Auch die Rückstellungsdauer von 12 Monaten könnte reduziert werden, ohne bei den gewonnenen Blutkonserven an Sicherheit einzubüßen. So zeigen andere Länder mit hohem Gesundheitsstandard, dass das hohe Gebot an Sicherheit auch mit einer kürzeren Rückstellungsdauer vereinbar ist. In unserem Positionspapier  finden sich einige Beispiele zur Handhabe anderer Länder.

 

 

WAS WIR FORDERN!

Besonders in Zeiten, in denen die Gewinnung von Blutspender_innen zunehmend zu einer Herausforderung wird, sehen wir eine Erweiterung des Spender_innenkreises als eine zielführende Lösung. Aber nicht nur Effizienz sollte hier im Vordergrund stehen – sondern in erster Linie die Menschlichkeit. Der Ausschluss schwuler und bisexueller Männer und trans* Personen von der Blutspende steht in keinem Verhältnis zu dem Wunsch, Blutkonserven möglichst rein zu halten – ja scheint in diesem Sinne nicht einmal zielführend. Basierend auf Vorurteilen anstelle von Fakten lässt sich keine Strategie bauen, die Sicherheit von Spender_innen hoch zu halten – sondern wirkt als vorgeschobener Grund um veraltete, stereotype und diskriminierende Vorurteile weiterhin am Leben zu halten.

Wir fordern daher eine Modernisierung der Blutspende-Richtlinien mit einer klaren Entscheidung gegen Stigmatisierung und für Inklusion.
Wir fordern von der Bundesärztekammer und weiteren zuständigen Akteur_innen eine Änderung der Richtlinie Hämotherapie, um die Ausgrenzung schwuler und bisexueller Männer und trans* Personen.
Es ist möglich, die Sicherheit von Blutkonserven mit dem Anspruch auf Diskriminierungsfreiheit zu verbinden. Andere Länder haben das bereits vorgemacht – und es ist an der Zeit, dass Deutschland nachzieht.

 

 

IHR WOLLT AUCH HALTUNG ZEIGEN?

Unserem Aufruf gegen Diskriminierung sexueller Minderheiten bei Blutspenden sind 13 Unternehmen gefolgt und haben das Positionspapier unterzeichnet.

Wenn auch Ihr Euch gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten aussprechen wollt, findet Ihr HIER unser Positionspapier. Nehmt für mehr Details gerne Kontakt mit uns auf unter info@proutatwork.de 

Danke für Eure Unterstützung!

 

BISHERIGE UNTERSTÜTZER_INNEN

 

Pressemitteilung

Hier geht es zur passenden Pressemitteilung.

Unser aktuelles Pressecho:

17. Mai 2020: web.de

22. April 2020: twittersmash.com

21. April 2020: ggg.at

20. April 2020: Thomas Reuters Foundation News

18. April 2020: BILD.de

17. April 2020: “Spenden verboten: Mein Blut, mein ‘Risikoverhalten’ und ich” von Ingo Bertram, OTTO GmbH

17. April 2020: mannschaft.com

17. April 2020: RND

17. April 2020: Neue Westfälische

17. April 2020: Oldenburger Onlinezeitung